Neukundengewinnung im B2B: elf Branchen, zwei Ranglisten
101 Tage Kaltakquise, 31.635 kontaktierte Betriebe, nach Branche aufgeschlüsselt. Die größte Liste brachte einen einzigen Interessenten, die kleinste sieben. Alle Zahlen offen, auch die unangenehmen.
Was in diesen Zahlen steckt
Zwischen dem 5. Mai und dem 21. August 2026 haben wir in elf Branchen 31.635 Betriebe kalt angeschrieben. 101 Tage, ein Absender-Setup, ein Tool. Aus demselben Datensatz stammt der Befund zum Adresstyp, über den wir schon geschrieben haben. Dieser Artikel dreht die Auswertung um neunzig Grad und schaut nach Branche.
Vorweg die Zahl, an der sich alles andere messen lassen muss. Über alle elf Branchen zusammen antworten 3,76 Prozent der kontaktierten Betriebe. Am Ende der Kette stehen 23 Termine und Opportunities.
Diese Zahl steht in keinem Benchmark, den wir kennen. Sie ist die unangenehme Version derselben Kampagne, die man auch mit „3,76 Prozent Antwortrate“ beschreiben kann. Beides stimmt. Nur die zweite Version sagt etwas über den Markt.
Elf Branchen, zwei Ranglisten
Sortiert nach Antwortrate. Die letzte Spalte ist die interessante: sie zählt nur die Antworten, in denen jemand tatsächlich weiterreden wollte.
Zwischen Handwerk mit 1,51 Prozent und Tattoostudios mit 8,21 Prozent liegt der Faktor fünfeinhalb. Wer sich einen Durchschnittswert aus dem Netz nimmt und daran seine Planung hängt, plant an fast jeder einzelnen Branche vorbei.
Warum die Antwortrate täuscht
Eine Antwort ist noch kein Interesse. Von den inhaltlich ausgezeichneten Antworten sind 64,2 Prozent Absagen, weitere 15,3 Prozent sind Blocklist-Anfragen, DSGVO-Beschwerden oder Schlimmeres. Übrig bleiben 6,6 Prozent, in denen jemand weiterreden wollte.
Eine hohe Antwortrate kann heißen, dass eine Branche gut erreichbar ist. Sie kann genauso heißen, dass diese Branche besonders gründlich absagt.
Deshalb die zweite Rangliste. Die Reihenfolge ändert sich dadurch an zwei Stellen deutlich. Immobilien rutschen von Platz sieben auf Platz drei, weil dort zwar wenige antworten, diese wenigen aber oft interessiert sind. Bestattungsunternehmen und Google-Maps-Betriebe tauschen die Plätze. Und das Handwerk fällt auf beiden Ranglisten ganz nach unten, mit deutlichem Abstand.
Handwerk: 7.470 Betriebe, ein Interessent
Die Handwerks-Kampagne ist unsere zweitgrößte. 7.470 Betriebe, 13.625 Mails, 113 Antworten. Davon war genau eine interessiert.
Warum, wissen wir nicht sicher, und wir behaupten es auch nicht. Was sich sagen lässt: das Handwerk hat zusätzlich die niedrigste Antwortrate aller großen Listen. Wenn beide Werte gleichzeitig unten liegen, spricht das eher für die Liste oder das Angebot als für die Formulierung. Eine Textänderung hätte hier vermutlich nichts gerettet.
Für uns war das ein teurer Befund, weil 13.625 Mails Absenderreputation kosten, die anderswo mehr gebracht hätte. Genau deshalb steht die Zahl hier.
Tattoostudios: kleinste Liste, beste Quote
Am anderen Ende steht die kleinste Liste im Feld. 463 kontaktierte Studios, 38 Antworten, sieben davon interessiert. Das sind 15,1 interessierte Antworten pro tausend Kontakten, gegenüber 0,1 im Handwerk.
Diesen Faktor sollte niemand für bare Münze nehmen, uns eingeschlossen. Bei 463 Betrieben und sieben Interessenten hängt das Ergebnis an einzelnen Fällen. Zwei Antworten mehr oder weniger verschieben die Quote spürbar.
Wir behaupten nicht, dass Tattoostudios die beste Branche für Outbound sind. Wir sagen: in diesem Datensatz war die kleinste Liste die produktivste.
Was Volumen nicht ersetzt
Die drei größten Listen, Hersteller, Handwerk und Google-Maps-Betriebe, machen zusammen 22.337 der kontaktierten Betriebe aus. Das sind gut siebzig Prozent des gesamten Volumens. Sie liefern 42 der 81 Interessenten, also etwa die Hälfte.
Anders gesagt: die anderen acht Branchen erreichen mit knapp einem Drittel des Volumens die gleiche Menge an Interesse. Nicht weil ihre Texte besser wären. Weil die Listen enger auf ein Angebot passen.
Bounces: was wir sagen können
Über den gesamten Zeitraum liegt unsere Bounce-Rate bei 0,69 Prozent. Auf 31.635 kontaktierte Betriebe sind das rund 220 Adressen, die gar nicht erst zugestellt wurden.
Diese Zahl ist der Grund, warum wir die Unterschiede zwischen den Branchen nicht auf Zustellbarkeit schieben können. Bei einer Bounce-Rate unter einem Prozent kommen die Mails an. Dass im Handwerk nur 1,51 Prozent antworten und bei den Tattoostudios 8,21, liegt nicht daran, dass in der einen Branche die Post nicht ankommt.
Nach Branche einzeln weisen wir die Bounces nicht aus. Sie liegen in jeder Liste im niedrigen Bereich, aber wir haben sie nicht je Vertikale erhoben, und geschätzte Zahlen gehören nicht in einen Benchmark.
Wo die Zahlen aufhören zu tragen
Fünf Einschränkungen, ohne die dieser Artikel der ersten kritischen Nachfrage nicht standhält.
- Die Branchen sind nicht sauber gegeneinander getestet. Die Kampagnen liefen zu verschiedenen Zeiten, mit verschiedenen Aufhängern und teils an verschiedene Adresstypen. Aus demselben Datensatz wissen wir, dass allein der Adresstyp die Antwortrate um den Faktor 1,37 verschiebt.
- Kleine Zellen tragen wenig. Bei Praxen mit 219 Kontakten und Pflegediensten mit 362 ist jede Quote ein Näherungswert.
- Ein einziges Absender-Setup: 84 Postfächer auf 20 Domains, ein Tool, eine Handschrift. Ein anderes Team mit denselben Listen bekommt andere Zahlen.
- Deutschsprachiger Raum, Betriebe mit rund 5 bis 200 Mitarbeitern. Für Konzerne mit Assistenzstrukturen gilt hier nichts.
- Sechs sehr kleine Kampagnen mit zusammen 54 Betrieben laufen im selben Zeitraum, sind hier aber nicht enthalten. Sie sind zu klein für eine eigene Zeile und zu klein, um einer Branche zugerechnet zu werden. Alle Zahlen in diesem Artikel beziehen sich auf die elf ausgewiesenen Branchen.
Was du damit machst
Der falsche Schluss wäre, sich die drei besten Branchen aus der Tabelle zu nehmen. Unsere Zahlen sagen etwas über unsere Listen und unser Angebot, nicht über deine.
Der brauchbare Teil ist die Methode. Miss deine Kampagnen ab sofort in interessierten Antworten pro tausend Kontakten statt in Antwortrate. Diese eine Umstellung sortiert deine eigenen Listen innerhalb weniger Wochen neu, und zwar anders, als du erwartest.
Für die Beurteilung einer laufenden Liste hat sich bei uns eine schlichte Schwelle bewährt: liegt sie nach zweitausend Kontakten unter einem Interessenten pro tausend, liegt es nicht am Text. Dann stimmt die Liste nicht zum Angebot, und weitere Kontakte machen es schlimmer statt besser.
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Methodik
Zeitraum 5. Mai bis 21. August 2026, 101 Tage. 31.635 kontaktierte Betriebe in elf Branchen, versendet über Instantly aus 84 Postfächern auf 20 Domains bei einem Tageslimit von 1.040. Bounce-Rate 0,69 Prozent. Sechs Kampagnen mit zusammen 54 Betrieben sind zu klein für eine Branchenzuordnung und in keiner Zahl dieses Artikels enthalten.
Antwortraten sind pro kontaktiertem Betrieb gerechnet, nicht pro gesendeter Mail, weil ein Betrieb je nach Sequenzlänge unterschiedlich viele Mails bekommt. Automatische Antworten laufen in einem eigenen Zähler und stecken in keiner der Raten. Über den Zeitraum waren das 868 Stück.
Die inhaltliche Auszeichnung der Antworten erfolgt beim Eingang, nicht nachträglich. „Interessiert" umfasst Interesse, angeforderte Unterlagen, Terminwunsch und Preisanfrage. Vier Branchen fassen je zwei Kampagnen mit unterschiedlichem Adresstyp zusammen, die Einzelwerte dazu stehen in der Schwester-Studie.
Was fehlt: Öffnungs- und Klickraten, weil Tracking bei uns abgeschaltet ist. Bounce-Raten je Branche. Eine randomisierte Zuteilung der Branchen auf Aufhänger und Adresstyp. Und Vergleichswerte aus anderen Ländern oder Unternehmensgrößen.
FAQ
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